in der Buchhandlung
Navid Kermani liest aus Dein Name.

Am 8. Juni 2006 beginnt Navid Kermani sein neues Buch, und es wird einer der ungewöhnlichsten Romane unserer Zeit. Hier schreibt einer über alles, was es zu wissen gibt über sein Leben und das Leben überhaupt: die Gegenwart und die Vergangenheit seiner Familie, die Erinnerung an gestorbene Freunde und die mitreißende Lektüre Jean Pauls und Hölderlins. Die Geschichte seines Großvaters, der von Nahost nach Deutschland ging, wird zum Herzstück des Romans. Immer wieder drängt sich dem Romancier der entscheidende Moment dazwischen: der des Schreibens. Dein Name ist ein Roman, der das Privateste ebenso in den Blick nimmt wie die Geschichte, in der wir leben – ein Buch, das unser Bild der Gegenwart nachhaltig verändern wird.

Navid Kermani, geboren 1967, promovierter Islamwissenschaftler und Publizist, gilt als führender Iran-Experte in Deutschland und hat zwischen 1995 und 2000 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Entwicklung in Iran verfolgt. Für das Studienjahr 2000/2001 ist er an das Wissenschaftskolleg in Berlin berufen worden.
2010 wurde Navid Kermani mit der “Buber-Rosenzweig-Medaille 2011″ ausgezeichnet und 2011 erhielt er den “Hannah-Arendt-Preis” für seine “lagerüberwindenden, religionswissenschaftlichen und politischen Analysen”.

Navid Kermani - Dein Name
Navid Kermani
Dein Name
1228 Seiten, 2011, Hanser
34.90 EUR
Montag, 12. März, 20 Uhr
“Der letzte Applaus” Filmvorführung.

“Der letzte Applaus” – Filmvorführung
Zusammen mit Pfarrer Eckart Bruchner führen wir diesen wunderbaren Film vor.
Der Regisseur German Kral wird anschließend von den Dreharbeiten erzählen.

“Der letzte Applaus” erzählt die bewegende Geschichte einer vergessenen Gruppe von gealterten Tangosängern aus Buenos Aires, die jahrelang in einer der berühmtesten Tangobars der Stadt aufgetreten sind, der “Bar El Chino”. Nachdem der Besitzer der Bar 2001 unter mysteriösen Umständen starb, wurde die Bar von seiner Witwe und ihrem neuen Partner übernommen. Ein paar Wochen später war dieser lebensfrohe Ort abgewirtschaftet und verödet. “Der letzte Applaus” begleitet das Leben dieser vergessenen Tangosänger von 1999 bis heute. Der Film zeigt ihren Kampf, sich während der größten Wirtschaftskrise Argentiniens ihr tägliches Brot zu verdienen, und die Sehnsucht nach ihrem größten Traum: noch einmal vor ihrem Publikum zu singen und ihren Applaus zu hören, vielleicht zum letzten Mal in ihrem Leben…

Josef Bierbichler - MittelreichRegie: German Kral
Der letzte Applaus, Ein Leben für den Tango.
DVD, Span. mit UT 88 Min., 2010, Indigo
12.99 EUR
Mittwoch, 28. März, 20 Uhr
im Bosco, in Zusammenarbeit mit dem TheaterForum Gauting
Tanja Weber liest aus ihrem Kriminalroman Sommersaat.

Eine grausam schöne Idylle
Das beschauliche Leben des Postboten Johannes Stifter ändert sich schlagartig: Im Dorf Germerow vor den Toren Berlins entdeckt er eine entstellte Leiche und gerät über Nacht unter Mordverdacht. An der Seite des bayrischen Kommissar Thalmeier wird er zum Ermittler. Doch die Wahrheit ist entstellt und verzerrt, einer entsetzlichen Version des Spiels Stille Post gleich. Mit Stifter, dem träumerischen Postboten, und Thalmeier, dem amtsmüden Kommissar, betreten zwei herrlich unzeitgemäße Figuren die Krimibühne. Sommersaat ist ein unerhört guter, packender Roman, der von genauer Milieukenntnis und frappierender Figurenzeichnung lebt.

Tanja Weber, Jahrgang 1966, war im ersten Beruf Theaterdramaturgin, u. a. in Wuppertal, Bochum, Berlin und Hildesheim. Im zweiten Beruf, nach der Geburt zweier Kinder, arbeitete sie als Drehbuchautorin fürs Fernsehen, u. a. für “Verliebt in Berlin” und “Türkisch für Anfänger”. Tanja Weber ist mit dem Schauspieler und Autor Gregor Weber verheiratet.

Tanja Weber - SommerstaatTanja Weber
Sommersaat
350 Seiten, 2011, Aufbau-Verlag
16.99 EUR
Sonntag, 6. Mai, 11 Uhr
Matinee in der Buchhandlung
Klaus Wallendorfteilt sein soeben beim Galiani Verlag erschienenes Buch vor Immer Ärger mit dem Cello

Liebeserklärung eines irrenden Waldhornisten an die streichenden Kollegen.
Illustriert von F.W. Bernstein.
Musikalische Begleitung: Leonore Kandler (Cello) und Klaus Wallendorf (Waldhorn und Fagott).
Zum 40. Jubiläum der „12 Cellisten“ widmet Wallendorf dem Cello im Allgemeinen und seinen Interpreten ein launiges, bewunderndes Buch. Normalerweise sitzt Klaus Wallendorf in seinem schwarzen Frack mit dem Horn in der letzten Reihe der Berliner Philharmoniker. Doch gilt es einen Dirigenten zu ehren, einen Pensionär zu verabschieden, oder einen neuen Intendanten zu begrüßen, dann tritt er vors Orchester. Manche nennen ihn schon einen zweiten Loriot. Er selbst nennt sich „halboffizieller Entertainer der Berliner Philharmoniker“.

Klaus Wallendorf, geb. im Juli 1948 (am Tag der Hausmusik) im Thüringer Wald. Seit 1980 ist er Mitglied der Berliner Philharmoniker und seit 1985 Mitglied bei German Brass, einem namhaften Blechbläserensemble zwischen E- und U-Musik.

Klaus Wallendorf - Immer Ärger mit dem CelloKlaus Wallendorf
Immer Ärger mit dem Cello
Freitag, 11. Mai, 20 Uhr
in der Buchhandlung

Die 3sat-Preisträgerin in Klagenfurt Nina Bußmann liest aus ihrem Debütroman Große Ferien (Suhrkamp).

In makelloser, präziser Sprache erzählt Nina Bußmann von Schramm, einem Lehrer, der sich auf Grund von „Vorkommnissen“ ins Privatleben zurückziehen mußte. Mit Hingabe pflegt er seinen Garten und sinnt über die Vergangenheit nach, über seine Gegenwart, über die Leute, die ihn, wie er ahnt, seit langem mißtrauisch beobachten. Weil der Held ein gefühlsscheuer Mensch ist, kann die Autorin ihn nur indirekt beschreiben, in der Art, wie er jätet zum Beispiel. Er jätet und reißt gleichzeitig auch seine eigenen Wurzeln aus. „Schramm scharrte. Er hieb die Spitzhacke tief in die Ritzen, bis er die Stränge der Wurzeln zu fassen bekam, und lockerte sie in kleinen, wiederholten Bewegungen, einem Rucken und Hebeln.“ „Mit ruhiger Hand entwirft Nina Bußmann das Portrait eines Eigenbrötlers … ihre Erzählstimme ist nüchtern, aber nicht kalt, von einer fast schmerzhaften Reinheit … Sie nimmt auch das Scheitern eines Schulsystems in den Blick, das … Lehrer und Schüler voneinander abschotten muß.“ Meike Fessmann / SZ

Nina Bußmann, geboren 1980 in Frankfurt am Main, lebt in Berlin. Studium der Komparatistik und Philosophie in Berlin und Warschau. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Beim Ingeborg Bachmann-Preis 2011 erhielt sie für einen Auszug aus ihrem Debütroman Große Ferien den 3sat-Preis.

Nina BußmannNina Bußmann
Große Ferien (Suhrkamp)
Donnerstag, 8. November, 20 Uhr
in der Buchhandlung

Hans-Peter Schwarz stellt seine hochgelobte Biographie über Helmut Kohl vor.

Der Name Helmut Kohl beschäftigt die Deutschen noch immer. Für die einen bleibt er der Kanzler der Einheit, für die anderen ist er ein egozentrischer Machtmensch, dessen Name mit der größten deutschen Spendenaffäre verknüpft ist und der nicht nur seine eigene Partei, sondern auch seine Familie schwer beschädigt hat. Kohl, der Riese aus einer vergangenen Epoche, ist die größte lebende historische Figur der Bundesrepublik, die zugleich die stärksten Emotionen hochkochen lässt.

Der bekannte Zeithistoriker und Biograph Hans-Peter Schwarz hat nun die erste umfassende politische Biographie zu Helmut Kohl auf Basis umfangreichen und unveröffentlichten Quellenmaterials geschrieben. Ihm gelingt ein großes Lebens- und Zeitpanorama jenes Mannes, der die politischen Umbrüche am Ende des 20. Jahrhunderts so stark wie kaum ein anderer mitgeprägt hat. Gemeinsam mit Staatsmännern wie Michail Gorbatschow, George Bush sen. oder Deng Xiaoping hat Kohl Weltgeschichte geschrieben, gleichzeitig ist sein Name mit zahlreichen Affären und innenpolitischen Fehlentscheidungen verbunden. Alles an ihm hat eben riesenhafte Dimensionen seine Verdienste ebenso wie seine Irrtümer, die auch in unsere Zeit hineinragen.

Hans-Peter Schwarz, geboren 1934, ist Professor für Politik und Zeitgeschichte und u. a. Verfasser zweier Bände der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland über die Ära Adenauer. Zahlreiche Auszeichnungen, wie 1999 den Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik.

“An Büchern über Kohl mangelt es nicht, aber erst jetzt erscheint eine klassische Biografie, die Person und Werk einordnet und deutet. Geschrieben hat sie Hans-Peter Schwarz, ein Doyen unter den deutschen Historikern. An seinem Buch hat Schwarz drei Jahre lang gearbeitet, dafür hat er 50 Politiker interviewt. So entstand eine detailreiche und meinungskräftige Biografie. Ihre Stärke liegt im Übergang zur Mentalitätsgeschichte, in der Beschreibung, wie sich das historische Bewusstsein und die Lebenshaltung der Kriegskinder ausprägen, zu denen Helmut Kohl gehört.”
DER SPIEGEL, 03.09.2012

Die Kritik der SZ

Hans-Peter Schwarz - Helmut KohlHans-Peter Schwarz
Biographie über Helmut Kohl
Sonntag, 4. November, 11 Uhr
Matinee in der Buchhandlung

Bodo Kirchhoff liest aus seinem neuen Roman Die Liebe in groben Zügen.

Vila und Renz, beide fürs Fernsehen tätig, sind ein Paar im Takt der Zeit mit erwachsener Tochter, Wohnung in Frankfurt und Sommerhaus in Italien. Alles so weit gut, wäre da nicht die unstillbare Sehnsucht nach Liebe: die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam. Noch aber sind Vila und Renz nicht alt, auch wenn sie erfahren, dass sie Großeltern werden. Sie stehen voll im Leben, nach außen erfolgreich und nach innen ein Paar, das viel voneinander weiß, aber nicht zu viel. Ein ausbalancierter Zustand; bis zu dem Augenblick, in dem Vila mit ungeahnter Intensität einen anderen zu lieben beginnt. Bodo Kirchhoff erzählt in seinem neuen großen Lebensroman von einer langen Ehe als ewiger Glückssuche, von frühem Missbrauch als späterer Weltverengung und einem lebenslänglichen, nur im Stillen erfüllten Verlangen. Im Zentrum aber steht die Liebe zwischen Vila, einer Frau in festen Verhältnissen, und dem Einzelgänger Bühl, Biograph eines Paars aus einer vergangenen, gottesfürchtigen Epoche. Nach seinen beiden erfolgreichen, weltumspannenden Romanen Infanta (1990) und Parlando (2001) erzählt Bodo Kirchhoff von drei welterschließenden Liebesseschichten und einer weltverengenden enttäuschten Jugendfreundschaft: Die Liebe in groben Zügen ist ein großartiges, souverän und stilsicher erzähltes Panorama einer Ehe als Lebensprojekt in einer Zeit, die den Moment verherrlicht. Und wenn es einen Höhepunkt in der Ehe gibt, erkennt Vila am Ende, dann besteht er in deren Dauer.

Der 1948 geborene Bodo Kirchhoff veröffentlichte Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Romane, zuletzt erschien sein Monolog für Hannelore Elsner “Mein letzter Film”. Der Autor lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee.
Interview mit Bodo Kirchhoff in der SZ

Bodo KirchhoffBodo Kirchhoff