Donnerstag, 9. Dezember, 20 Uhr
in der Buchhandlung

Peter Wawerzinek liest aus seinem Buch Rabenliebe, das mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2010 und dem Publikumspreis der Tage der deutschsprachigen Literatur 2010 ausgezeichnet wurde.

Ein Buch wie ein Erdbeben. Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie. Das Ergebnis ist ein literarischer Sprengsatz, wie ihn die deutsche Literatur noch nicht zu bieten hatte. Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück.
Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin? Als Grenzsoldat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzauns, auf halbem Weg wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirklich wiedersehen? Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit.
Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte und mit ihr die acht Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahrzehnte überlebensgroß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung.
Aber sie löste – nach jahrelanger Veröffentlichungspause – einen Schreibschub bei Peter Wawerzinek aus, in dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb: Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an Rabenliebe, übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur, das in der deutschsprachigen Literatur seinesgleichen noch nicht hatte.

Peter Wawerzinek wurde unter dem Namen Peter Runkel 1954 in Rostock geboren. Er wuchs in verschiedenen Heimen und bei verschiedenen Pflegefamilien auf. Seit 1988 ist er freier Schriftsteller, Regisseur, Hörspielautor und Sänger.

Peter Wawerzinek - RabenliebePeter Wawerzinek
Rabenliebe
427 Seiten
2010, Galiani, Berlin,
22.95 EUR
Mittwoch, 1. Dezember, 20 Uhr
in der Buchhandlung

Susanne Forster und Stefan Fichert präsentieren ihr Buch
Das Spiel ein Leben Das musikalische und poetische Figurentheater der Puppetplayers.

Die Gautinger Susanne Forster und Stefan Fichert sind Gründer und Leiter des Figurentheaters „ Puppet Players“. Beide sind in Gauting aufgewachsen und verbrachten ihre Lehrjahre in London am dortigen Marionettentheater. 1976 kehrten sie nach Gauting zurück, gründeten ihr Ensemble und reisten mit vielen Inszenierungen durch Europa, nach Israel, Japan, Brasilien und China. Prägend blieb die Musik – neun Stücke entstanden in Zusammenarbeit mit dem Cellisten Heinrich Klug. Vier Jahre leiteten sie die Marionettenschule der Münchner Biennale in gemeinsamer Produktionsarbeit mit Hans Werner Henze. Von all dem, von künstlerischen und anderen Reiseabenteuern, von den Wegbereitern erzählt der schöne Bildband. Mit Beiträgen von Hans Werner Henze, Maria Reiter, Wolf Euba und vielen anderen.

Mitglieder des Ensembles und Figuren aus dem Puppet Players Repertoire werden bei der Buchvorstellung anwesend sein. Heinrich Klug von den Münchner Philharmonikern begleitet den Abend musikalisch.

Die Kritik der SZ   Die Kritik des Merkur

Susanne Forster und Stefan Fichert - Das Spiel ein LebenSusanne Forster und Stefan Fichert
Das Spiel ein Leben
Matinee am Sonntag, 21. November, 11 Uhr
in der Buchhandlung

Eberhard von Lochner liest aus seinem Buch 
Philosophie im Reich der Schatten

Eric Voegelins Münchner Jahre

Eric Voegelin (1901 – 1985), geboren in Deutschland, 1938 vor den Nationalsozialisten aus Wien geflohen, Emigration in den USA, 1958 bis 1969 in München Professor für Politikwissenschaft, danach an der Stanford University in Kalifornien: Ein Leben, geprägt vom ständigen Versuch, den Menschen des 20. Jahrhunderts die Suche nach Ordnung und Humanität als Grundlage einer verantwortlichen Politik zu vermitteln. Gerade in seiner Münchner Zeit entwickelte Voegelin eine Philosophie der Geschichte und Politik, die sich den Problemen der Gegenwart stellt, aber nicht vergisst, dass wir Menschen in der Spannung zwischen Zeit und Ewigkeit leben.

Eberhard von Lochner - Philosophie im Reich der SchattenEberhard von Lochner
Philosophie im Reich der Schatten
120 Seiten, 2010,
iudicium, 9.80 EUR
Mittwoch, 13. Oktober, 20 Uhr
in der Buchhandlung

Solly Ganor stellt zusammen mit Sabine Zaplin sein neues Buch vor:
Aufleben 1945 (erschienen im P. Kirchheim Verlag).

Von amerikanischen Panzersoldaten wird er auf dem Todesmarsch in die Alpen aus dem Schnee gerettet. Dank seiner Sprachenkenntnisse wird der Siebzehnjährige schnell Dolmetscher und sogar amerikanischer Soldat. In München, dem Zentrum für die Überlebenden und DPs aus halb Europa, erlebt er die ersten drei Nachkriegsjahre. Er findet Arbeit, Wohnung und die große Liebe. Er spürt als Mitglied des militärischen Geheimdienstes unter DPs versteckte Nazis in den Lagern auf, er ist dabei, als Stalins Emissäre die Überlebenden gegen ihren Willen in ihre Heimatländer zurückholen wollen, als sein Vater die erste jüdische Organisation mitgründet – und all das in der ständigen, nicht abzuschüttelnden Erinnerung an die verlorenen Menschen seiner Kindheit und an das Grauen von Ghetto und KZ.
Dennoch kann er jetzt aufleben.

Solly Ganor, *1928 in Kaunas/Kovno, Litauen, ist Überlebender des Todesmarsches von Dachau 1945, später Kapitän der israelischen Handelsmarine. Sein erstes Buch Das andere Leben. Kindheit im Holocaust liegt in 4. Auflage als Fischer Taschenbuch vor. Die Originalausgabe Light One Candle erschien 1995 in New York.

Sabine Zaplin, *1964 in Herford, Regisseurin, Schriftstellerin, Journalistin lebt in Gauting. Sie übersetzte beide Bücher Solly Ganors aus dem Englischen.

Die Kritik der SZ

Solly Ganor - Aufleben 1945Solly Ganor
Aufleben 1945
2010, P. Kirchheim Verlag
Freitag, 1. Oktober 2010, 20 Uhr
in der Remise Schloß Fußberg

Martin Schleske stellt vor: Der Klang
Vom unerhörten Sinn des Lebens
Buchvorstellung und Konzert mit Prof. Ingolf Turban (Violine)

Einer der großen Geigenbauer der Gegenwart erzählt von den Geheimnissen seines Berufes. Alle Phasen des Geigenbaus, vom Auffinden des geeigneten Holzes bis hin zur Wölbung und Lackierung des Instruments, werden ihm zum Gleichnis für persönliche Entwicklung, für unsere Berufung und unseren Platz im Leben. Ähnlich einem klingenden Instrument spricht sich in uns das Unsagbare, das Unerhörte des Lebens aus. Die Botschaft dieses einzigartigen Buches spiegelt sich in den sensiblen Fotos von Donata Wenders, der international bekannten Fotografin aus Berlin.

Martin Schleske - Der KlangMartin Schleske
Der Klang
352 Seiten, 2010,
Kösel, 21.95 EUR
Mittwoch, 24. März 2010, 20 Uhr
in der Buchhandlung

Alissa Walser liest aus ihrem neuen Roman: Am Anfang war die Nacht Musik

Als Franz Anton Mesmer das blinde Mädchen in sein magnetisches Spital aufnimmt, ist sie zuvor von unzähligen Ärzten beinahe zu Tode kuriert worden. Mesmer ist überzeugt, ihr endlich helfen zu können, und hofft insgeheim, durch diesen spektakulären Fall die ersehnte Anerkennung der akademischen Gesellschaften zu erlangen. Auch über ihre gemeinsame tiefe Liebe zur Musik lernen Arzt und Patientin einander verstehen, und bald gibt es erste Heilerfolge … In ihrer hochmusikalischen Sprache nimmt Alissa Walser uns mit auf eine einzigartige literarische Reise. Ein Roman von bestrickender Schönheit über Krankheit und Gesundheit, über Musik und Wissenschaft, über die fünf Sinne, über Männer und Frauen oder ganz einfach über das Menschsein.

Alissa Walser, 1961 geboren, Studium der Malerei in New York und Wien, Übersetzungen aus dem Englischen (Theaterstücke u. a. von Albee, Oates und „Die Tagebücher“ von Silvia Plath), lebt in Frankfurt a. M. 1992 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis und den Bettina-von-Arnim-Preis.

Die Kritik der SZ

Alissa Walser

Alissa Walser - Am Anfang war die Nacht MusikAlissa Walser
Am Anfang war die Nacht Musik
252 Seiten, 2010, Piper, 19.95 EUR

Mittwoch, 3. März 2010, 20 Uhr
in der Buchhandlung

Drei Literaturstipendiaten der Landeshauptstadt München lesen aus ihren Werken: Janine Adomeit, Andreas Schmid-Thomae und Tilmann Strasser

Janine Adomeit, „Unvorhersehbarkeiten“
„Es geht um Söhne und Töchter, um Mütter und Väter, um Freunde und bloße Objekte des Begehrens“, schreibt Janine Adomeit in ihrem Expose. In der Buchhandlung wird sie u.a. das Kapitel „Rufus“ lesen aus dem Romanprojekt „Unvorhersehbarkeiten“. Der Hund Rufus ist die große Liebe eines Mannes, dessen kleiner Sohn fassungslos die Gefühle des Vaters beobachtet und seziert. Gefühle, die er selbst bitter entbehren muss. Der Text ist präzise gestaltet und bewegt durch seine Unerbittlichkeit.
Janine Adomeit studierte Anglistik und Germanistik an der LMU in München. Sie schreibt für Münchner Tageszeitungen und Magazine. 2007 Stipendiatin des Literarischen Colloquiums Berlin, 2008 der Studienstiftung des deutschen Volkes. 2009 „Leonhard-und-lda-Wolf Gedächtnispreis“.

Andreas Schmid-Thomae, „Kopfglühen und Schmetterlingstosen“
Der Text erzählt von einem Ich, das sich selbst ein Rätsel ist. lan ist dreizehn und steht seltsam schräg zur Welt- und nicht erst, seit klar ist, dass in seinem Kopf etwas wächst, was nicht dorthin gehört: ein Hirntumor. Er weiß nicht, ob er seinen vierzehnten Geburtstag noch erleben wird; irgendetwas, spürt er, rückt näher, lan will fort, fort aus der Klinik, hin zu dem Sonnenaufgangsmädchen, in das er verliebt ist. lan will aufbrechen, das Leben suchen, auf seine Art. Ein intensiver Text, bei aller Dramatik und Ernsthaftigkeit des Themas mit viel Humor erzählt, einem Humor, der oft Rettung bedeutet.
Andreas Schmidt-Thomae, geb. 1964 in Stuttgart, lebt seit 1986 in München. Er studierte an der LMU Komparatistik, Spanisch und Kunstgeschichte. Anschließend Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in München mit dem Abschlussfilm „Musical Man“. Seit 2001 als Drehbuchautor, Filmregisseur und Dramaturg tätig. „Kopfglühen und Schmetterlingstosen“ wird seine erste literarische Veröffentlichung.

Tilman Strasser, „Hasenmeister“
Der junge Felix Hasenmeister bei seiner ersten Geigenlehrerin: „ Sie war Russin. Deutsch beherrschte sie, aber mochte es nicht. Es sei ihr zu weich, klagte sie, zu konturlos, es streiche über die Lippen, man bemerke es kaum…Sie selbst sprach wenig. Tat sie es doch, stieß sie rüde die Konsonanten vor sich her…“ Mit ungeheurem Witz und sprachlicher Souveränität erzählt Tilman Strasser von seinem hasenherzigen Antihelden und den Abenteuern der Eltern im Ärzteorchester, wo Musikinstrumente und Fachärzte sehr lapidar in besonderen Zusammenklang kommen.
Tilman Strasser, geb.1984 in München, Abitur am Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting. Studium der Germanistik, Musikwissenschaft, Philosophie und Geschichte in Düsseldorf. Anschließend Studium Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. 2006 wurde Tilman Strasser „Seeschreiber“ in St. Wolfgang. Momentan ist er Stipendiat des Minerva-Kollegs der Universität Hildesheim. 2007 erschien der Erzählband „Seeleben“ bei Edition Art & Science und zusammen mit Jan Fischer, Marcel Maas und Lino Wirag „Text, Drugs & Rock’n Roll: Unplugged“ im conradverlag. Zahlreiche Beiträge in Anthologien.

Die Kritik der SZ

Janine AdomeitJanine Adomeit

Tilmann Strasser

Tilman Strasser

Mittwoch, 10. Februar 2010, 20 Uhr
in der Buchhandlung

Gregor Weber präsentiert sein Buch Kochen ist Krieg! – Am Herd mit deutschen Profiköchen.

Ein Koch begibt sich auf Wanderschaft und kocht in deutschen Dorfgasthäusern und Sternerestaurants, Fußgängerzonenpizzerien, Betriebskantinen und beim Bundespräsidenten.
Er dreht alle Töpfe um und berichtet, was Köchinnen und Köche dort leisten oder auch verbrechen: Es ist heiß in der Küche, sehr heiß. Gregor Weber, der in Kolja Kleebergs »VAU« zum Koch ausgebildet wurde, macht sich auf die Suche nach der Liebe zum Essen und der Essenz des Kochhandwerks in Deutschland. Der ungeheure Kochboom hat den Berufsstand ins Licht der Öffentlichkeit gestellt wie kaum einen anderen, doch davon, wie es tatsächlich am Herd zugeht, haben die meisten keine Vorstellung.

Gregor Weber, geboren 1968 in Saarbrücken, Koch, Schauspieler und Drehbuchautor, bekannt als Sohn Stefan der »Familie Heinz Becker« und als Hauptkommisar Deininger im saarländischen »Tatort«. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Gauting.

Die Kritik der SZ

Gregor Weber - Kochen ist Krieg!Gregor Weber
Kochen ist Krieg!

308 Seiten mit Fotos, 2009, Piper, 
19.95 EUR

Mittwoch, 3. Februar 2010, 20 Uhr
in der Buchhandlung

Thomas Kraft und Sabine Zaplin stellen das Buch Rock Stories vor, ein Abend mit Literatur und Musik.

Bilder, die im Kopf entstehen, wenn das richtige Lied läuft. Momente und Geschichten aus einer Zeit, als man glaubte, mit einem Lied ließe sich die Welt retten oder zumindest ein Sommerabend. Erinnerungen, Geräusche und Songs aus einer Zeit, in der alles anfing mit Pop, Politik und Protest: Flashback für Nostalgiker und Aufklärung für Twentysomethings. Vor zwei Jahren erschienen die »Beat Stories«; mit einer Lese-, Hör- und Tanzparty und der Musik aus den Sechzigern und Siebzigern ziehen wir seitdem um die Häuser. Eine kleine Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf.

„Was ist geschehen? Seit einem verunglückten »Tour«-Start in der Leipziger Moritzbastei, wo ein ermatteter Moderator am Ende einer langen Büchernacht vergaß, Franz Dobler und mich anzukündigen, und die Leute zu früh nach Hause schickte, werden Plakate geklebt, Einladungen ausgesprochen und alte Platten neu gehört. Bands gehen in Probenräume, ich kaufte mir eine Bahncard und wir – die Beiträger – fahren quer durch die Republik, um alte Veteranen und junge Freaks mit auf eine literarische und musikalische Zeitreise zu nehmen.“ Thomas Kraft

Thomas Kraft, *1959, lebt als Literaturkritiker, Autor, Veranstalter und Ausstellungsmacher  in Herrsching. Von 1996 bis 1999 war er Programmleiter des Literaturhauses München.
Sabine Zaplin, *1964, lebt als Literaturkritikerin und Autorin in Gauting.

Thomas Kraft - Rock StoriesThomas Kraft (Hrsg.)
Rock Stories
287 Seiten, 2009,
Langen/Müller Verlag,
14.95 EUR

Thomas Kraft